„(So)Viel Anfang war nie“

Brüche und Kontinuitäten in Nachkriegsdeutschland

 

Zur Dokumentation

1945. Deutschland liegt geistig wie physisch in Trümmern. Das Ende des sogenannten „Tausendjährigen Reiches“ also gleichsam als Stunde Null, als Neubeginn ansehen? Millionen deutscher Männer in der Kriegsgefangenschaft, kämpfen die Frauen für sich und ihre Familien ums nackte Überleben. Sie greifen zu Hammer und Schaufel, um die Städte zu enttrümmern und wieder aufzubauen. In Ruinen kann schließlich niemand leben. Die aus dem Exil in die völlig zerstörte Heimat zurückgekehrten, aber auch Teile der während der Nazizeit in ´innerer Emigration´ in Deutschland verbliebenen Intellektuellen nehmen sich der Aufräumungsarbeiten des Geistes an. Ein „neues Lernen“ soll beginnen. Den politischen Rahmen für den Wiederaufbau stecken die Alliierten im Sommer 1945 auf der Potsdamer Konferenz ab. Dort beschließen sie die Grundsätze für die künftige Behandlung Deutschlands: die Denazifizierung, Demokratisierung, Demilitarisierung und Dekartellisierung des Landes.

Doch wurden diese politischen Grundsätze  tatsächlich realisiert? Waren die Deutschen angesichts der Katastrophe zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und zur Mitarbeit beim Aufbau einer neuen demokratischen Gesellschaft fähig und willig?

Im Mittelpunkt des Videoprojektes steht die Frage nach der „Stunde Null“, nach den Brüchen respektive Kontinuitäten in der gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands in den unmittelbaren Nachkriegsjahren 1945 bis 1949. Sechs Zeitzeugen versuchen diese Frage aus ihrem persönlichen Erleben und Nachdenken heraus zu beantworten. In den Interviews wird deutlich, dass es sich bei der „Stunde Null“ um ein Konstrukt handelt, welches denkbar ungeeignet ist, die direkte Nachkriegszeit zu beschreiben. Diese historisch außergewöhnliche Situation wird von den Zeitzeugen sehr wohl als Neubeginn empfunden. Das Verdrängen des Krieges und seiner Ursachen sowie das unreflektierte "Hinnehmen" des von den Alliierten geförderten Wiederaufbaus gesellschaftlicher und staatlicher Strukturen ("Demokratisierung von außen") lassen aber nicht nur bezweifeln, dass die Grundsätze der Anti-Hitler-Koalition auch umgesetzt wurden, sondern werfen schlussendlich auch die Frage nach den Grundfesten der demokratischen Entwicklung in Deutschland auf. Als „Kitt“, der den Bau eines friedlichen, anfänglich in beiden Teilen Deutschlands demokratisch angestrichenen Hauses zusammenhielt, diente Ende der 40er Jahre in der Bundesrepublik der wirtschaftliche Aufschwung, in der DDR die Ideologie - so das Fazit unserer Interviews.

Die 29minütige Video-Dokumentation „(So)Viel Anfang war nie“ (BRD 2003) kann gegen eine Spende von 5 Euro in der JFE Mahler20 bestellt werden.

 

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